Optimierung der Windparks mit ÜZ Mainfranken

Windenergie wird schon seit vielen hundert Jahren genutzt. Früher trieben Windmühlen die Mahlwerke von Korn an, heute wandeln moderne Windkraftanlagen die Bewegungsenergie der Rotoren in elektrischen Strom um.

Die kinetische Energie des Windes wird auf einen Generator übertragen, der wie ein Dynamo elektrische Energie erzeugt. Wie viel Strom produziert wird, hängt von der Gegebenheit des Windes und der technischen Ausstattung der Anlage ab. Zudem bietet Künstliche Intelligenz die Möglichkeit die Prozesse zu optimieren.

Windturbinen beeinflussen sich gegenseitig durch sogenannte „Wake-Effekte„. Wenn eine Turbine in Betrieb ist, erzeugt sie einen Windschatten, der die Windgeschwindigkeit für die nachgelagerten Turbinen verringert. Diese Kombination aus geringerer Windgeschwindigkeit und Turbulenzen beeinflusst nachfolgende Anlagen im Windpark und der Energieertrag sinkt.

Der Effekt ist besonders stark, wenn Turbinen dicht beieinander stehen oder große Leistungen erzeugen. Eine intelligente Planung und Steuerung der Anlagen ist daher entscheidend, um die Effizienz des Windparks zu maximieren und die Energieproduktion optimal zu nutzen.

Anschaulich lässt sich dieser Effekt mit dem Windschatten von Fahrzeugen vergleichen: Fahren zwei Autos hintereinander, hat das hintere weniger Luftwiderstand. Bei Windkraftanlagen ist dieser Effekt jedoch unerwünscht, da jede Anlage möglichst viel Windenergie aufnehmen soll, um Strom zu erzeugen.

„Flächen sind im wesentlichen für Windparks vorgegeben. […] Man muss also teilweise Wake-Effekte in Kauf nehmen. Das hat mich auf den Gedanken gebracht: Gibt es eine Möglichkeit, im Betrieb der Anlage selbst eine Optimierung durchzuführen, dass diese Wake-Effekte geringer werden?“

Dr. Benjamin Geßlein

ÜZ Mainfranken

Die ÜZ Mainfranken ist seit 1910 als selbstständige Genossenschaft aktiv. Nachhaltigkeit prägt ihr Handeln seit über 30 Jahren. Mit mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versorgt sie als größter Energieversorger in Bayern über 125.000 Menschen in 44 Kommunen auf rund 1.000 km² in Mainfranken.

Als regional verwurzelte Genossenschaft verfolgt die ÜZ das Ziel, Wertschöpfung vor Ort zu halten und die Energieversorgung gemeinsam mit Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten. Diese enge Zusammenarbeit spielt insbesondere beim Ausbau erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle.

Innovation ist ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die ÜZ Mainfranken hat sich früh breiter im Energiesektor aufgestellt und investiert kontinuierlich in erneuerbare Energien, Glasfasernetze, klimaneutrale Wärmelösungen und Ladeinfrastruktur. Bereits 2016 wurden die Klimaschutzziele für 2045 erreicht.

Grundlage

Das Forschungsteam nutzt umfangreiche Betriebsdaten der ÜZ Mainfranken aus den letzten zehn bis fünfzehn Jahren.
Ziel ist es, Muster zwischen Windbedingungen und Energieerzeugung zu erkennen.

Praxis

Es gibt verschiedene Stellschrauben zur Ausrichtung eines Windrades. Zum Beispiel kann die Gondel einer Anlage in den Wind gerichtet oder der Winkel ihrer Rotorblätter angepasst werden.

Optimierung

Mithilfe von Reinforcement-Learning-Methoden werden Zusammenhänge zwischen Winddaten und Energieproduktion gelernt, um daraus bessere Entscheidungen für den Betrieb der Anlagen abzuleiten.

Aktuell wird die Simulationsumgebung möglichst detailgetreu nachgebaut.
Dadurch sollen für das Reinforcement Learning noch mehr Situationen abgebildet werden können, womit der Windpark der ÜZ Mainfranken weiter optimiert werden kann.

Für die Forschung bedeutet die Zusammenarbeit einen direkten Einblick in reale Betriebsprozesse und Entscheidungsabläufe im Windparkbetrieb. Die Zusammenarbeit hilft zu überprüfen, ob entwickelte Modelle tatsächlich anwendbar sind und reale Probleme im Windparkbetrieb lösen können. Gleichzeitig wird sichtbar, wo Modelle angepasst werden müssen, um den realen Betrieb besser abzubilden.

Die langfristig gesammelten Betriebsdaten der ÜZ Mainfranken ermöglichen es, Zusammenhänge zwischen Windbedingungen, Anlagensteuerung und Energieproduktion genauer zu untersuchen und besser zu verstehen. Dadurch können Forschungsansätze stärker an reale Herausforderungen im Energiesektor ausgerichtet werden.

Obwohl das Projekt noch nicht abgeschlossen ist und weitere Simulationen durchgeführt werden, konnten schon erste Erfolge erzielt werden.
Diese tragen bereits jetzt zur Optimierung des Windparks bei.

Eine KI-basierte Optimierung kann sich für Windparkbetreiber auf mehreren Ebenen auswirken. Wake-Effekte führen nicht nur zu geringerer Energieproduktion, sondern auch zu stärkeren Vibrationen und Belastungen der Anlagen. Eine optimierte Fahrweise kann daher sowohl die Effizienz erhöhen als auch Wartungsaufwand und Verschleiß reduzieren.

Langfristig ist geplant, die entwickelte Technologie auch auf weitere Windparks der ÜZ Mainfranken anzuwenden. Sobald die technische Pipeline aufgebaut ist, können andere Windparks mit ähnlichen Datenstrukturen ebenfalls analysiert und optimiert werden. Die Einführung von KI wird dabei vor allem als Chance gesehen: Es entstehen neue Prozesse und Aufgabenbereiche, und Mitarbeitende können aktiv in die Weiterentwicklung eingebunden werden.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit der ÜZ Mainfranken und der Universität Würzburg zeigt, welche Vorteile mittelständische Unternehmen durch die Integration künstlicher Intelligenz erhalten können.

Verschattungsverluste in Windparks kosten bares Geld – die Lösung liegt nicht in neuen Anlagen, sondern in der intelligenten Steuerung. Die ÜZ Mainfranken und Forscher der Universität Würzburg zeigen, wie ein KI-basierter digitaler Zwilling den Betrieb von Windparks effizienter macht.

Dr. Benjamin Geßlein
Teamleiter Energie- und Kommunalmanagement bei der ÜZ Mainfranken.
Robin Derzbach
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Business Analytics der Universität Würzburg.

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