Optimierung der Windparks mit ÜZ Mainfranken
Windkraft ist kraftvoll, beständig und emissionsfrei – und damit eine der effizientesten erneuerbaren Energiequellen. Moderne Windparks liefern sauberen Strom für die Region Mainfranken, schonen die Umwelt und tragen zur Energiewende bei. Im Projekt von KI-Regio und der ÜZ Mainfranken wird untersucht, wie Künstliche Intelligenz den Betrieb von Windparks weiter optimieren kann.
Wind of change

Windenergie wird schon seit vielen hundert Jahren genutzt. Früher trieben Windmühlen die Mahlwerke von Korn an, heute wandeln moderne Windkraftanlagen die Bewegungsenergie der Rotoren in elektrischen Strom um.
Die kinetische Energie des Windes wird auf einen Generator übertragen, der wie ein Dynamo elektrische Energie erzeugt. Wie viel Strom produziert wird, hängt von der Gegebenheit des Windes und der technischen Ausstattung der Anlage ab. Zudem bietet Künstliche Intelligenz die Möglichkeit die Prozesse zu optimieren.
Vorteile der Windkraft
Wake-Effekte – Wenn Windturbinen sich gegenseitig den Wind nehmen

Windturbinen beeinflussen sich gegenseitig durch sogenannte „Wake-Effekte„. Wenn eine Turbine in Betrieb ist, erzeugt sie einen Windschatten, der die Windgeschwindigkeit für die nachgelagerten Turbinen verringert. Diese Kombination aus geringerer Windgeschwindigkeit und Turbulenzen beeinflusst nachfolgende Anlagen im Windpark und der Energieertrag sinkt.
Der Effekt ist besonders stark, wenn Turbinen dicht beieinander stehen oder große Leistungen erzeugen. Eine intelligente Planung und Steuerung der Anlagen ist daher entscheidend, um die Effizienz des Windparks zu maximieren und die Energieproduktion optimal zu nutzen.
Anschaulich lässt sich dieser Effekt mit dem Windschatten von Fahrzeugen vergleichen: Fahren zwei Autos hintereinander, hat das hintere weniger Luftwiderstand. Bei Windkraftanlagen ist dieser Effekt jedoch unerwünscht, da jede Anlage möglichst viel Windenergie aufnehmen soll, um Strom zu erzeugen.
„Flächen sind im wesentlichen für Windparks vorgegeben. […] Man muss also teilweise Wake-Effekte in Kauf nehmen. Das hat mich auf den Gedanken gebracht: Gibt es eine Möglichkeit, im Betrieb der Anlage selbst eine Optimierung durchzuführen, dass diese Wake-Effekte geringer werden?“

Dr. Benjamin Geßlein
ÜZ Mainfranken
Windkraft in unserer Region – ÜZ Mainfranken

Frischer Wind durch KI
Grundlage
Das Forschungsteam nutzt umfangreiche Betriebsdaten der ÜZ Mainfranken aus den letzten zehn bis fünfzehn Jahren.
Ziel ist es, Muster zwischen Windbedingungen und Energieerzeugung zu erkennen.
Praxis
Es gibt verschiedene Stellschrauben zur Ausrichtung eines Windrades. Zum Beispiel kann die Gondel einer Anlage in den Wind gerichtet oder der Winkel ihrer Rotorblätter angepasst werden.
Optimierung
Mithilfe von Reinforcement-Learning-Methoden werden Zusammenhänge zwischen Winddaten und Energieproduktion gelernt, um daraus bessere Entscheidungen für den Betrieb der Anlagen abzuleiten.
Das passiert beim Reinforcement Learning
„Bessere Antwort mit weniger Aufwand“
Wissenschaft trifft auf Praxis
Für die Forschung bedeutet die Zusammenarbeit einen direkten Einblick in reale Betriebsprozesse und Entscheidungsabläufe im Windparkbetrieb. Die Zusammenarbeit hilft zu überprüfen, ob entwickelte Modelle tatsächlich anwendbar sind und reale Probleme im Windparkbetrieb lösen können. Gleichzeitig wird sichtbar, wo Modelle angepasst werden müssen, um den realen Betrieb besser abzubilden.
Die langfristig gesammelten Betriebsdaten der ÜZ Mainfranken ermöglichen es, Zusammenhänge zwischen Windbedingungen, Anlagensteuerung und Energieproduktion genauer zu untersuchen und besser zu verstehen. Dadurch können Forschungsansätze stärker an reale Herausforderungen im Energiesektor ausgerichtet werden.
„Weniger Belastung, mehr Leistung“
Obwohl das Projekt noch nicht abgeschlossen ist und weitere Simulationen durchgeführt werden, konnten schon erste Erfolge erzielt werden.
Diese tragen bereits jetzt zur Optimierung des Windparks bei.
Eine KI-basierte Optimierung kann sich für Windparkbetreiber auf mehreren Ebenen auswirken. Wake-Effekte führen nicht nur zu geringerer Energieproduktion, sondern auch zu stärkeren Vibrationen und Belastungen der Anlagen. Eine optimierte Fahrweise kann daher sowohl die Effizienz erhöhen als auch Wartungsaufwand und Verschleiß reduzieren.
Langfristig ist geplant, die entwickelte Technologie auch auf weitere Windparks der ÜZ Mainfranken anzuwenden. Sobald die technische Pipeline aufgebaut ist, können andere Windparks mit ähnlichen Datenstrukturen ebenfalls analysiert und optimiert werden. Die Einführung von KI wird dabei vor allem als Chance gesehen: Es entstehen neue Prozesse und Aufgabenbereiche, und Mitarbeitende können aktiv in die Weiterentwicklung eingebunden werden.
Wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinander treffen
Die erfolgreiche Zusammenarbeit der ÜZ Mainfranken und der Universität Würzburg zeigt, welche Vorteile mittelständische Unternehmen durch die Integration künstlicher Intelligenz erhalten können.
Weitere Informationen im Podcast:
Verschattungsverluste in Windparks kosten bares Geld – die Lösung liegt nicht in neuen Anlagen, sondern in der intelligenten Steuerung. Die ÜZ Mainfranken und Forscher der Universität Würzburg zeigen, wie ein KI-basierter digitaler Zwilling den Betrieb von Windparks effizienter macht.
Dr. Benjamin Geßlein
Teamleiter Energie- und Kommunalmanagement bei der ÜZ Mainfranken.
Robin Derzbach
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Business Analytics der Universität Würzburg.